Förderkonzepte und äußere Differenzierung

1. Sonderpädagogische Förderung

An unserer Schule werden 22 Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf beschult.
Wir haben ein gut funktionierendes Unterstützersystem aufgebaut, das unter dem Aspekt des inklusiven Gedankens allen Kindern zugute kommt.

Die Akzeptanz der Heterogenität aller Schüler (und nicht die Einteilung in Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Status) ist die Grundlage unseres Handelns und erfordert ein werteorientiertes Unterrichtsklima.
Eine entsprechende Didaktik und Methodik, die den Unterschieden aller Kinder gerecht wird, ist in Form der Lernwege vorhanden.
Die Arbeit in Lernwerkstätten vertieft das gemeinschaftliche und kooperative Handeln.
Ein positives Ergebnis zeigt sich u.a. darin, dass in den vergangenen Jahren kaum noch Feststellungsverfahren „em(otional)-soz(ial)“ eingeleitet werden mussten, obwohl viele unserer Kinder mit Schuleintritt noch gravierende Probleme im Umgang mit anderen haben. Daher scheint die Aussage gerechtfertigt, dass unsere schulischen Bedingungen förderlich sind für den Erwerb von emotionalen und sozialen Kompetenzen.
Die Grundhaltung aller unserer Erwachsenen spielt dabei eine entscheidende Rolle ebenso wie das Instrument der kollegialen Fallberatung (Intervision) im Team.
Häufige organisatorische Konstruktionen sind temporäre Lerngruppen oder Fördergruppen mit kleinen Gruppengrößen (siehe auch unten stehendes Schema).
Die Stunden sind ausdrücklich nicht nur an die einzelnen I-Kinder gebunden und haben einen präventiven Effekt.

Diverse Pädagog*innen des Hauses sind entsprechend des entwicklungstherapeutischen Ansatzes ausgebildet (ETEP) und damit eine Bereicherung unseres Förderkonzeptes.


Förderschwerpunkt Autismus
An unserer Schule werden derzeit fünf Kinder mit dem Förderschwerpunkt Autismus beschult. Sie werden zeitweise in einer temporären Lerngruppe oder einzeln unterrichtet, unterstützt wird die Arbeit durch eine Kunsttherapeutin.

Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Ab dem Schuljahr 2016/2017 werden zehn Kinder mit dem Schwerpunkt "Geistige Entwicklung" für zwei Stunden täglich von unserer Sonderpädagogin gemeinsam mit einem Erzieher in lebenspraktischen Dingen unterwiesen. Unter dem Peergroup-Aspekt kaufen alle gemeinsam ein, kochen, erstellen Listen,  verkaufen, gärtnern, recyceln oder dergl. mehr. Der Erfolg ist an den Kindern deutlich sichtbar. Es wird gerechnet, geschrieben, im Team gehandelt, arbeitsteilig vorgegangen und das Selbstwertgefühl ebenso wie das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Die Vernetzung zu ihren Stammklassen und das gegenseitige Einbeziehen unterrichtlicher Produkte ist die Regel.


Übergangsklasse
Das Konstrukt der „Übergangsklasse“ wurde von Frau Dr. Becker (Prignitz-Schule) übernommen und seit zehn Jahren an unserer Schule praktiziert.
Diese Gruppe ist ausnahmslos verhaltensschwierigen Kindern vorbehalten und findet viermal wöchentlich für zwei Unterrichtsstunden statt.
Die Arbeit in dieser Gruppe von maximal fünf Kindern soll unter entwicklungspädagogischen Gesichtspunkten (ETEP) geleistet werden.

Ziele der Förderung in der Gruppe sind die Verbesserung bzw. Steigerung

  • der Selbst- und Fremdwahrnehmung;
  • der Konzentration und Aufmerksamkeit;
  • des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls;
  • der Selbststeuerung im Umgang mit Gefühlen und Impulsen;
  • der kommunikativen Kompetenz;
  • der Frustrationstoleranz;
  • der Konfliktlösungsstrategien.


Der Erfolg der Arbeit hängt wesentlich von der Zusammenarbeit mit dem Elternhaus statt. Daher sind monatliche Gesprächstermine mit den Eltern verbindliche Voraussetzung für die Teilnahme an der Gruppe.
Um diesen Anspruch zu gewährleisten sind unsere Sozialpädagogen fester Teil eines multiprofessionellen Unterstützersystems.
Ausnahmslos bei allen Kindern werden große Steigerungen ihrer Kompetenzen verzeichnet. Nach individueller Verweildauer (ein bis zwei Jahre) gehen die Kinder wieder in ihre Stammgruppen zurück.

 

 

  • Problemlage
    • Mangelnde Fähigkeit am Unterricht teilzunehmen;
    • Störungen des Schulalltags;
    • Verhaltensauffälligkeiten;
    • Defizite in der Sozialkompetenz;
    • Lernrückstände;
    • häusliche Probleme.
  • Auswirkung
    • Schwierigkeiten für den/die Schüler*in selbst;
    • Stören der Mitschüler*innen;
    • Überforderung von Lehrer*in/Erzieher*in.
  • Erkenntnis
    • Ganztägige Beschulung in der Regelklasse nicht möglich;
    • temporäre Beschulung in kleiner Gruppe;
    • „Übergangsklasse" (nach Frau Dr. Becker);
    • Förderung statt Aussonderung;
    • übergeordnetes Prinzip bleibt die Integration.
  • Grundsätze der Übergangsklasse
    • Viermal wöchentlich zwei Stunden mit max. fünf Kindern;
    • Klassenlehrer*in schlägt Kinder vor;
    • Zusammenarbeit von Sonderpädagog*innen und Sozialarbeiter*innen;
    • kompetenzorientierter Unterricht;
    • individuelle, an den Bedürfnissen des Kindes ansetzende Förderung;
    • Lernwegprinzip wie in den Stammklassen;
    • Werkstattarbeit;
    • Förderung nach ETEP (entwicklungstherapeutischer Ansatz);
    • Einbindung der Eltern durch monatliche Gespräche (Voraussetzung für die Teilnahme an der Gruppe);
    • Kind darf einmal wöchentlich ein Gastkind aus seiner Klasse mitbringen;
    • in der TLG wird in kurzen Blöcken gearbeitet (Arbeit an Themen der Klasse, Sozialkompetenztraining, selbst ausgesuchtes Thema);
    • Schwerpunkt der Arbeit liegt im sozialen Lernen;
    • regelmäßige Gespräche zwischen beteiligten Pädagog*innen
    • Kontakt zu sonstigen Therapeut*innen.

 

2. Diagnostik

Die Diagnostik besteht aus den obligatorischen Lernstanderhebungen und der Förderdiagnostik im Einzelfall. Um Störungen oder Verzögerungen in der Entwicklung von Wahrnehmung und Motorik festzustellen sind die Materialien „Lernausganglage Berlin“ (LauBe) geeignet.

Ein reduziertes ganztägiges Testverfahren nach OSTERMANN wird von unseren Sonderpädagoginnen zusätzlich eingesetzt, kann aber erst wieder mit Rückkehr der Kolleginnen aktiviert werden.

Jährlich werden mit allen Kindern der Jahrgänge 1-3 Hamburger Schreibproben vorgenommen. In den darauf folgenden Jahrgängen werden diese Tests nach Bedarf durchgeführt oder regelmäßig bei den Kindern, die eine festgestellte LRS haben.
Für sonderpädagogische Feststellungsdiagnostik kommen unterstützend Sonderpädagog*innen aus dem Förderzentrum an unsere Schule.
Lerngespräche zwischen Eltern, Schüler*innen und Pädagog*innen ergänzen die Diagnostik und daraus resultierende Fördermaßnahmen.

 

3. Individuelle Fördermaßnahmen

Wir verstehen Fördern als Kernauftrag von Schule und haben unseren Unterricht so verändert, dass viel Zeit für individuelle Lerngespräche bleibt.
Trotzdem gibt es bei einigen Kindern Grenzen, die ohne weitere personelle Ausstattung nicht im laufenden Unterricht geschlossen werden können.

Um einen Verlust der Motivation und Anstrengungsbereitschaft zu verhindern, ist ein Förderband unter verschiedenen Aspekten eingerichtet worden. Der größte Effekt dieser Kleingruppenarbeit ist das Maß an Zuwendung für das einzelne Kind.
Die Stunden liegen parallel zu den ersten beiden Unterrichtsstunden. Teilnehmer sind die Kinder des 1.-3. Jahrgangs, der Umfang beträgt ein bis zwei Wochenstunden.

Kriterien für die Auswahl der ca. fünf bis sieben Kinder pro Gruppe werden im Team abgesprochen, der temporäre Aspekt gilt dabei als Grundsatz.
Um den Kindern als verlässliche Institution zu gelten, wird sehr darauf geachtet, dass die Kleingruppen nicht für Vertretungszwecke aufgelöst werden. Es ist verabredet, dass für diese Fälle eher ganze Klassen aufgeteilt werden.
Da alle nach dem Lernwegprinzip oder an denselben Werkstätten arbeiten, ist diese Praxis etabliert und ohne Störungen gut leistbar.

In den Kleingruppen geht es nicht um das Bearbeiten von eingrenzbaren Defiziten, sondern in erster Linie um Grundlagen für das Lernen, um Lernstrategien, um Zielorientierung, um Spaß und Motivation, um Zuversicht in das eigene Können, letztendlich um das Stärken von Kompetenzen.

Sprachförderung
Eine Stunde pro Woche kommen max. sieben Kinder in den Sprachklub. Dort wird neben einem Wortschatztraining auch zusätzlich mit der Anlauttabelle gearbeitet.

Rechenschwäche
Ausgewählte Kinder gehen dreimal wöchentlich in den Rechenklub und arbeiten dort mit Material an grundlegenden mathematischen Themen.
Der Zarecki-Test wird von der verantwortlichen Lehrerin durchgeführt, um evtl. eine Lerntherapie einzuleiten.

LRS

Jährlich wird mit den Hamburger Schreibpaten (HSP) die Rechtschreibentwicklung bei allen Kinder getestet. Bei einigen Kindern findet eine zusätzliche Förderung in der 2016 eingerichteten "Rechtschreibwerkstatt" statt. Die dortige Arbeit wird durch eine Logopädin unterstützt und mit lerntherapeutischen Maßnahmen ergänzt. Alle Klassen arbeiten mit demselben Computerprogramm zur LRS-Förderung, die Vernetzung der Beratung für die einzelnen Kinder erfolgt über die Pädagog*innen der Rechtschreibwerkstatt.


Eine einstündige LRS-Förderung außerhalb der Klasse findet in Einzelfällen ebenso statt wie das Einleiten einer Lernkur oder einer externen  Lerntherapie. Die Kolleg*innen der unteren Klassen sind jedoch für die Diagnostik und für die Förderung von Teilleistungsschwächen außerordentlich gut ausgebildet und haben sämtliche Fördermaterialien in den Klassen parat, um eine Förderung innerhalb des Klassenverbandes vorzunehmen.


Basismotorische Fähigkeiten
Jeden Freitag findet in der Turnhalle der Psychomotoriktag statt.
Alle A-Klassen durchlaufen die aufgebauten Stationen, die unter den Aspekten Schaukeln, Klettern, Balancieren, Rollen zugleich Diagnose als auch Förderung basismotorischer Fähigkeiten sind.

4. Beratungs- und Unterstützersystem

Das System ist fest etabliert und besteht aus folgenden Elementen:

  • Feste Sonderpädagogin;
  • wöchentlicher Austausch im Team;
  • kollegiale Fallberatung (Intervision);
  • Zusammenarbeit mit Sozialpädagog*innen der Schule;
  • Schulstation;
  • Schulpsychologie (einmal im Monat vor Ort);
  • ambulante Sonderpädagog*innen;
  • Austausch mit den sonstigen Diensten.